| 17:20 Uhr

Streit um Kinderwochenheim
Klartext von Lautas Bürgermeister

Das frühere Kinderwochenheim in Lauta steht zum Verkauf. Drei Interessenten gibt es - aber noch keine Entscheidung des Stadtrats. Aus dem Areal könnte Mehrgenerationen-Wohnen, ein Ärztehaus oder ein Hunde-Zentrum werden.
Das frühere Kinderwochenheim in Lauta steht zum Verkauf. Drei Interessenten gibt es - aber noch keine Entscheidung des Stadtrats. Aus dem Areal könnte Mehrgenerationen-Wohnen, ein Ärztehaus oder ein Hunde-Zentrum werden. FOTO: Anja Guhlan
Lauta. Nachdem der DRK-Chef in Lauta im Streit um die künftige Nutzung des alten Kinderwochenheims öffentlich mit der Auflösung des Ortsverbands gedroht hat, reagiert nun die Stadt Lauta entrüstet und führt demnächst Gespräche mit einem möglichen neuen Träger. Von Anja Guhlan

Lautas Bürgermeister Frank Lehmann hält in der Stadtratssitzung den Artikel der RUNDSCHAU in die Höhe. In diesem hatte Dietmar Lehmann, der Chef des Ortsverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), öffentlich mit der Auflösung des Ortsverbandes Lauta des DRK gedroht, wenn das DRK bei einem Verkauf des Kinderwochenheims umziehen muss. Seine Behauptung: Der Stadt Lauta sei das DRK mit Tafel, Blutspende und Kleiderkammer egal. Frank Lehmann ist verärgert über diese Aussage. Er berichtet den Stadträten, dass in der Stadtverwaltung ein Schreiben mit einer Unterschriftenliste eingegangen ist, auf der Lautaer Bürger unterschrieben haben. Sie haben Angst, dass es die Angebote der Tafel für Bedürftige künftig nicht mehr geben wird. Frank Lehmann sagt, dass dieses Schreiben jedoch nicht als Petition gelten kann, da es nicht die Regularien einer Petition erfüllt. Zudem erreichte die Stadtverwaltung ein Schreiben von Peter Mark, dem Kreisgeschäftsführer des DRK aus Bautzen, der bei der Betrachtung der künftigen Räumlichkeiten „natürlich unter mietfreier Nutzung“ ausgeht.

Frank Lehmann reagiert auf die neuen Ereignisse mit Unverständnis. Er erklärte nochmals, dass die Stadt sich zu keinem Zeitpunkt von den Angeboten des DRK trennen oder gar eine Auflösung des Ortsverbandes wolle. „Dietmar Lehmann hat gedroht, den Ortsverband aufzulösen“, betont er. Auch erinnert der Bürgermeister daran, dass der DRK-Chef öffentlich in einer der jüngsten Stadtratssitzung gedroht hat, dass es „mächtig Ärger geben wird“, wenn das ehemalige Kinderwochenheim und zugleich das jetzige Domizil des DRK verkauft werden würde.

Dietmar Lehmann betonte damals öffentlich: „Egal, welcher Bieter das Objekt letztendlich kauft, er kauft uns mit.“ Dieser Satz impliziere, dass der Ortsverband-Chef mit dem DRK wahrscheinlich nicht freiwillig das Objekt verlässt.

Stadträtin Ortrun Rümcke, die in der vergangenen Woche gemeinsam mit dem Energieversorger enviaM einen Scheck von 500 Euro an die Lautaer Tafel überreicht hat, berichtet, dass sie persönlich von Dietmar Lehmann wegen dieser Debatte „unhöflich und nicht sachlich angesprochen wurde“. Auch Stadtrat Lothar Kusche ist erbost: „Es ist eine Unverschämtheit entgegen den Worten vom Stadtrat und der Stadt öffentlich so angegangen zu werden.“ Er fordert, dass sich das jetzt „öffentlich aufklärt“, denn so könne keiner „überhaupt arbeiten“.

Die Stadt Lauta wählt nun einen Weg, der so nicht vorgesehen gewesen ist. Bürgermeister Frank Lehmann fragte bei den Stadträten nach, ob in der kommenden Woche Gespräche mit einem anderen sozialen Anbieter, der die notwendigen Angebote übernehmen könnte, geführt werden können. Die Stadträte gaben mehrheitlich die Zustimmung. Stadtrat Karl-Heinz Löffler sagt: „Die Anfeindungen sollten endlich aufhören.“ Er fordert ebenfalls die Debatte „öffentlich anzugehen“ und eine „vernünftige Klärung“ herbeizuführen.

Einzig Stadtrat Rainer Tomczyk war emotional aufgewühlt und versetzt sich bei der Debatte in die Bedürftigen: „Viele werden immer ärmer und haben große Angst. Schließlich nutzen wohl 500 Bedürftige der Stadt die Angebote des DRK.“ Hauptamtsleiterin Katrin Grader beruhigt: „Die notwendigen Angebote sollen auch gar nicht aufhören.“ Es wird laut Verwaltung nur über einen neuen Träger nachgedacht.

Obwohl Grader auch zweifelt, ob die angegebenen Zahlen der Bedürftigen, die die Angebote nutzen, überhaupt stimmen. Schließlich werden die Zahlen alleine vom DRK übermittelt. Die Stadt könne laut Grader „nicht mit einem Klicker daneben stehen“ und muss auf die Zahlen des DRK vertrauen.

Bürgermeister Frank Lehmann, der sich diese unverschämte Art und Weise des DRK-Ortsverband-Chefs nicht gefallen lassen wolle, betont: „Es gibt noch andere Anbieter, die einem nicht drohen.“ In der nächsten Woche sollen demnach erste Gespräche mit einem anderen Anbieter geführt werden, der zu dem jetzigen Zeitpunkt von Seiten der Stadt noch nicht öffentlich genannt werden soll.